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Kommissionierkosten senken: acht Kostenblöcke über dem Lohn

Kommissionierer entnimmt Artikel aus einem Behälter an der Kommissionierstation

Die Kommissionierung bindet 40-55 % der Lagerkosten, gerechnet wird aber meist nur der Direktlohn. In der Beispielrechnung dieses Artikels steigt der Preis je Pick von 0,28 auf 0,42 EUR, sobald die acht Kostenblöcke über dem Lohn mitlaufen. Der Artikel schlüsselt sie auf und zeigt, welche Prozesshebel sie senken - bis zu der Grenze, an der die Struktur des Lagers entscheidet.

Die Frage, was ein Pick kostet, beantworten die meisten Lager mit derselben Rechnung: Jahres-Personalkosten der Kommissionierer, geteilt durch die Zahl der Picks. Die Zahl ist schnell ermittelt, und sie untertreibt verlässlich, denn sie enthält lediglich den Direktlohn und sonst nichts - weder Schichtzuschläge noch die Zeitarbeit im Peak noch die Fehlerkosten.

Dafür ist der Posten zu groß. Branchendaten setzen die Kommissionierung bei 40-55 % der gesamten Lagerkosten an - kein anderer Block im Lagerbetrieb kommt an diesen Anteil heran. Bevor eine Senkung geplant wird, lohnt es sich deshalb, die vollständige Rechnung aufzustellen.

Was in der üblichen Rechnung fehlt

Über dem Direktlohn liegen acht Kostenblöcke, die selten auf einer Rechnung zusammenstehen. Einzeln wirkt jeder klein. Zusammen verschieben sie den tatsächlichen Preis pro Pick deutlich nach oben - wie weit, hängt von Schichtmodell, Saisonalität und Sortiment ab. Die Spannen in der Tabelle sind Branchen- und Tarifwerte, keine NEO-Zahlen.

Kostenblock Typische Größenordnung
Teamleitung und Supervision 1 Teamleiter je 8-12 Kommissionierer, 20-35 % über Pickerlohn
Schichtzuschläge Spätschicht 10-20 %, Nachtschicht 25-50 %
Zeitarbeit im Peak 20-40 % über Stammlohn
Krankheit und Fluktuation Krankenstand im Lager 6-8 %
Einarbeitung 2-4 Wochen bei 40-70 % Leistung
Pick-Fehler und Retouren 0,1-0,3 % Fehlerquote, 10-30 EUR je Retoure
Peak-Überstunden 5-10 % der Jahresstunden, mit 25 % Zuschlag
Fläche für Pickwege und Puffer 4-8 EUR je m² und Monat

Zwei Eigenschaften machen diese Blöcke tückisch. Erstens hängen die meisten prozentual am Lohn: Steigt der Grundlohn, steigen Zuschläge, Teamleitungskosten und Ausfallkosten automatisch mit. Zweitens konzentrieren sich mehrere davon auf die Saison - Zeitarbeit, Überstunden und ein Teil der Einarbeitung fallen genau dann an, wenn das Lager ohnehin am Limit arbeitet. Ein Lager mit starkem Peak hat deshalb pro Pick höhere Kosten als ein Lager mit gleichem Jahresvolumen und flacher Kurve.

Eine Beispielrechnung: von 0,28 auf 0,42 EUR je Pick

Wie stark die Blöcke wiegen, zeigt die Standardrechnung unseres Kommissionierkosten-Rechners. Sie startet mit offen ausgewiesenen Annahmen: 10.000 Picks an einem normalen Tag, 16 Kommissionierer, 40.000 EUR Bruttolohn samt Arbeitgeberanteil je Kraft und Jahr, 220 Arbeitstage, zwei Schichten und eine Saisonspitze von 15 % an 40 Tagen. Der Direktlohn ergibt damit 0,28 EUR je Pick - und so verteilt sich der Rest:

Beispielrechnung
Standardwerte des Rechners
€0,42 All-in-Cost je Pick · wahrscheinlicher Bereich €0,40 - €0,44. 
Kostenblock € / Pick Anteil von den All-in-Cost je Pick
Direktlohn einschließlich Arbeitgeberanteil 0,28
 66,7 %
Teamleitung und Supervision 0,03 - 0,05
 7,1 - 11,9 
Schichtzuschläge 0,01 - 0,03
 2,4 - 7,1 %
Zeitarbeit im Peak 0,01
 2,4 %
Krankheit und Fluktuation 0,01
 2,4 %
Einarbeitung 0,00 - 0,01
 0 - 2,4 %
Pick-Fehler und Retouren 0,01 - 0,09
 2,4 - 21,4 %
Peak-Überstunden 0,00 - 0,01
 0 - 2,4 %
Fläche für Pickwege und Puffer 0,00
 0 %
All-in-Cost je Pick 0,42 100 %
Der Block „Fläche für Pickwege und Puffer" ist standardmäßig deaktiviert. Das Ergebnis ist nicht die Summe der Randwerte, da es in der Praxis kaum vorkommt, dass alle Blöcke gleichzeitig am oberen Rand liegen.

Der All-in-Cost liegt damit die Hälfte über dem reinen Lohnsatz. Die Gegenprobe stimmt auch: Aus den Startwerten folgen 78 Picks pro Stunde und Person, mitten in der Branchenspanne von 60-120. Es sind Modellannahmen, keine Angebotszahlen; mit Ihren eigenen Werten verschiebt sich das Ergebnis, und jeder der acht Blöcke lässt sich im Rechner einzeln abschalten.

Drei Blöcke mit dem größten Hebel

Zeitarbeit im Peak

Der Aufschlag von 20-40 % über Stammlohn ist nur der sichtbare Teil. Zeitarbeitskräfte durchlaufen dieselbe Einarbeitung wie Stammpersonal - 2-4 Wochen bei 40-70 % Leistung - und verlassen das Lager oft, bevor sich diese Investition amortisiert hat. In der Saison wiederholt sich das jedes Jahr. Der Fachkräftemangel in der Logistik verschärft die Lage, weil der Anteil der Zeitarbeit an der Gesamtmannschaft vielerorts wächst und der Block damit von selbst größer wird.

Krankheit und Fluktuation

Der Krankenstand im Lager liegt bei 6-8 %, und Kommissionierung ist körperlich fordernde Arbeit mit entsprechend hoher Wechselbereitschaft. Jede Nachbesetzung löst den Einarbeitungsblock erneut aus. Warum Beschäftigte gehen und was dagegen wirkt, behandelt unser Artikel zur Fluktuation im Lager im Detail.

Pick-Fehler und Retouren

Bei einer branchenüblichen Fehlerquote von 0,1-0,3 % klingt der Block vernachlässigbar. Auf 5.000 Picks am Tag sind das aber fünf bis fünfzehn Fehler, jeder mit 10-30 EUR Bearbeitungskosten für die Retoure. Im Gegensatz zu Zuschlägen oder der Teamleitung taucht dieser Posten in keiner Personalkostenrechnung auf, da er sich auf Retourenabwicklung, Ersatzlieferung und Kundenservice verteilt und dadurch unsichtbar bleibt.

Kosten senken ohne Investition: die Prozesshebel

Ein Teil dieser Kosten lässt sich im bestehenden Betrieb senken. Der größte Ansatzpunkt ist der Weg: In der manuellen Person-zur-Ware-Kommissionierung legen Beschäftigte 10-16 km pro Schicht zurück, und jeder dieser Kilometer ist bezahlte Zeit ohne Pick. Slotting nach Zugriffshäufigkeit, ABC-Zonen nahe der Packplätze und Batch-Picking mit mehreren Aufträgen pro Runde kürzen die Wege ab, ohne dass eine einzige Maschine ins Lager kommt.

Der zweite Hebel ist der Peak. Wer die Auftragslast mithilfe von Forecast und Schichtplanung glättet, reduziert genau die Blöcke, die pro Stunde am teuersten sind. Der dritte Hebel ist die Einarbeitung: Standardisierte Anlernprozesse sowie Pick-by-Light- oder Pick-by-Display-Führung verkürzen die Zeit, in der ein neuer Mitarbeiter noch nicht seine volle Leistung erbringen kann.

Für Lager unter etwa 5.000 Picks pro Tag sind diese Hebel der empfohlene Weg insgesamt - eine Automatisierung trägt dort ihre Wirtschaftlichkeitsrechnung in der Regel nicht. Die Kriterien dafür haben wir im Artikel wann sich Lagerautomatisierung nicht lohnt offengelegt. Prüfen Sie also zuerst Ihr Volumen im zu automatisierenden Bereich, bevor Sie Angebote einholen.

Wo die Prozessoptimierung an ihre Grenzen stößt

Die Prozesshebel senken die Kosten pro Pick, aber sie ändern die Struktur nicht: Die Person läuft weiter zur Ware, und jeder Pick trägt seinen Anteil am Weg. Auch ein gut optimiertes manuelles Lager bewegt sich deshalb in der branchenüblichen Spanne von 60-120 Picks pro Stunde und Person.

Goods-to-Person-Kommissionierung dreht das Prinzip um: Autonome mobile Roboter holen die Behälter aus dem Regal, die Ware kommt zur Person. Eine NEO:pickstation erreicht 350 Picks pro Stunde, und die Fehlerquote sinkt systemgestützt auf unter 0,01 %, womit der Retourenblock weitgehend entfällt. Über alle Installationen hinweg liegt das Ergebnis bei 70 % weniger Kommissionierpersonal im automatisierten Bereich.

Die Kostenblöcke aus der Tabelle verschwinden damit nicht - wer an einer Kommissionierstation arbeitet, wird ebenso krank, arbeitet Spätschicht und muss eingearbeitet werden. Sie gelten nur für deutlich weniger Köpfe. Was die beiden Wege dorthin kosten, klassischer Umbau gegen Retrofit im laufenden Betrieb, haben wir in der Kostenrechnung zur Fachbodenregal-Automatisierung aufgeschlüsselt; das Bezahlmodell dahinter beschreibt die Seite zu Pay-per-Pick.

Die eigene Rechnung

Welche Hebel sich für ein konkretes Lager lohnen, entscheiden nicht Benchmark-Tabellen, sondern die eigenen Pick-Kosten. Unser Kommissionierkosten-Rechner liefert sie in wenigen Minuten.Alle acht Kostenblöcke sind einzeln zuschaltbar. Das Ergebnis erscheint als Bandbreite statt als einzelne, schmeichelnde Zahl. Die zugrunde liegenden Annahmen sind daneben aufgeführt. Die Eingaben bleiben im Browser und die Druckansicht ist dafür gedacht, das Ergebnis an den Einkauf oder die Geschäftsführung weiterzureichen.

Liegt Ihr Lager über der Volumenschwelle, ist der nächste Schritt ein Blick auf das System im Betrieb.

NEO im Einsatz sehen -> | Zum Kommissionierkosten-Rechner ->

Was kostet Sie ein Pick wirklich?

Rechnen Sie Ihren All-in-Cost je Auftragszeile aus Ihren eigenen Zahlen aus - mit Schichtzuschlägen, Zeitarbeit, Krankheit und Pick-Fehlern. Kostenlos, ohne Anmeldung.

Kommissionierkosten berechnen

FAQ: Kommissionierkosten

Wie hoch ist der Anteil der Kommissionierung an den Lagerkosten?

Branchendaten setzen die Kommissionierung bei 40-55 % der gesamten Lagerkosten an. Sie ist damit der größte einzelne Kostenblock im Lagerbetrieb und der erste Ansatzpunkt für jede Kostensenkung - deutlich vor Fläche, Verpackung oder Transport innerhalb des Lagers.

Wie lassen sich Kommissionierkosten senken, ohne zu automatisieren?

Über drei Prozesshebel: kürzere Wege durch Slotting, ABC-Zonen und Batch-Picking, ein geglätteter Peak durch Forecast und Schichtplanung sowie standardisierte Einarbeitung. Für Lager unter etwa 5.000 Picks pro Tag sind diese Hebel der empfohlene Weg.

Warum liegt der tatsächliche Preis pro Pick über dem Direktlohn?

Weil über dem Lohn acht weitere Kostenblöcke liegen: Teamleitung, Schichtzuschläge, Zeitarbeit im Peak, Krankheit und Fluktuation, Einarbeitung, Pick-Fehler samt Retouren, Peak-Überstunden und die Fläche für Pickwege. Die meisten davon hängen prozentual am Lohn und steigen mit jeder Tarifrunde automatisch mit.

Warum ist Zeitarbeit im Peak so teuer?

Zeitarbeit kostet 20-40 % mehr als Stammpersonal und konzentriert sich auf den Peak, in dem jede Stunde ohnehin teuer ist. Dazu kommt die Einarbeitung von 2-4 Wochen bei 40-70 % Leistung, die sich bei saisonalen Kräften jedes Jahr wiederholt. In Lagern mit starker Saisonalität gehört der Block deshalb zu den größten Positionen über dem Direktlohn.

Was kosten Pick-Fehler in der Kommissionierung?

Die branchenübliche Fehlerquote der manuellen Kommissionierung liegt bei 0,1-0,3 %, die Bearbeitung einer Retoure kostet 10-30 EUR. Bei 5.000 Picks pro Tag ergibt das fünf bis fünfzehn Fehler täglich. Der Posten fehlt in den meisten Kalkulationen, weil er nicht in der Personalkostenrechnung auftaucht, sondern verteilt über Retourenabwicklung, Ersatzlieferung und Kundenservice anfällt.

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