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Fahrerlose Transportsysteme: AMR, AGV und FTS im Vergleich

Autonomer mobiler Roboter im Regalgang aus der Vogelperspektive

„Fahrerlose Transportsysteme" klingt nach einer Produktkategorie, ist aber ein Sammelbegriff für zwei Technologiegenerationen und drei sehr verschiedene Roboterkonzepte. Wer ein bestehendes Lager automatisieren will, trennt deshalb zuerst zwei Fragen: spurgebunden oder frei navigierend - und innerhalb der frei navigierenden Welt: welches der drei Konzepte. Dieser Artikel ordnet die Begriffe, vergleicht die Architekturen entlang der Kriterien, die im Bestandslager wirklich zählen, und zeigt, an welcher Ausgangslage sich die Wahl tatsächlich entscheidet.

Was fahrerlose Transportsysteme eigentlich meinen - und wo die Begriffe auseinanderlaufen

Fahrerloses Transportsystem (FTS) ist im Deutschen der Oberbegriff für selbstfahrende Flurförderzeuge im Lager; das englische Pendant heißt Automated Guided Vehicle (AGV). Beide bezeichnen die ältere, spurgebundene Generation. Die jüngere Generation sind autonome mobile Roboter (AMR), die frei navigieren. Der entscheidende Punkt für eine Kaufentscheidung: „AMR" ist keine Antwort, sondern erst der Anfang einer. Unter dem Begriff laufen drei Roboterkonzepte, die sich in Hardware, baulichen Voraussetzungen und Geschäftsmodell so stark unterscheiden, dass ein reiner Datenblattvergleich in die Irre führt.

AGV / FTS: spurgebunden und bewährt

Ein AGV folgt einer fest verlegten Leitspur - Induktionsschleife, Magnetband oder Bodenmarkierung - und hält an, wenn ein Hindernis die Route blockiert. Die Fahrwege müssen baulich eingerichtet werden, und eine Layout-Änderung bedeutet, die Spurführung umzubauen. Sein Sweet Spot ist der gleichbleibende Punkt-zu-Punkt-Transport, etwa Paletten zwischen zwei festen Stationen. Wo sich Routen und Layout selten ändern, ist die Technik ausgereift und zuverlässig. Wo sie sich häufig ändern, wird die verlegte Infrastruktur zur Last.

AMR: frei navigierend, kein Umbau

Ein AMR plant seine Route selbst. Über Laserscanner (LiDAR) und SLAM-Verfahren kartiert er seine Umgebung, lokalisiert sich in Echtzeit und weicht Hindernissen selbstständig aus; eine Layout-Änderung ist ein Software-Update, kein Bauvorhaben. Genau das macht AMR zur Basis der Retrofit-Automatisierung: Sie fahren in den vorhandenen Regalgängen, ohne dass das Lager umgebaut wird. Prüfen Sie deshalb bei jeder Anfrage zuerst, ob Sie über ein Transportproblem zwischen festen Punkten sprechen oder über Kommissionierung in einem gewachsenen Regallayout - das entscheidet bereits, welche Generation überhaupt in Frage kommt.

Die drei AMR-Konzepte, die man nicht verwechseln darf

Innerhalb der AMR-Kategorie entscheiden drei grundsätzlich verschiedene Konzepte darüber, ob eine Lösung ins Bestandslager passt. Anbieter beschreiben alle drei gern mit denselben Schlagworten - „autonom", „Goods-to-Person", „schnell", „skalierbar" -, doch dahinter stehen verschiedene Antworten auf dieselbe Frage: wie die Ware zum Picker kommt.

Mobile Regaleinheiten zum Picker (Shelf-to-Person)

Beim Shelf-to-Person-Konzept fährt ein flacher Roboter unter eine mobile Regaleinheit, hebt sie an und bringt das gesamte Regal zur stationären Pickstation. Der Picker steht fest, die Ware kommt zu ihm, und ein Algorithmus stellt häufig nachgefragte Regale automatisch näher an die Station - das Lager reorganisiert sich laufend selbst. Der Preis dafür steckt in der Voraussetzung: Das Konzept verlangt eigene, unterfahrbare Spezialregale. Bestehende Fachbodenregale lassen sich nicht weiterverwenden, sie werden abgebaut und ersetzt. Das ist de facto ein Lagerumbau - stark im Greenfield, schwierig als Retrofit in ein laufendes Bestandslager.

Kollaboratives In-Aisle-Picking

Hier ersetzt der Roboter den Kommissionierwagen, nicht das Regal. Ein fahrbarer Behälterträger navigiert selbst zur Pickposition und trifft den Picker am bestehenden Regal; die Regale bleiben unverändert stehen. Das ist die am schnellsten einführbare Variante, weil der bauliche Eingriff praktisch null ist. Die ehrliche Einordnung dazu: Streng genommen ist das ein Person-to-Goods-System mit Roboter-Assistenz. Der Picker sucht keine Artikel mehr und schiebt keinen Wagen, aber er bewegt sich weiterhin durch die Gänge. Die Laufwege sinken deutlich, sie entfallen aber nicht - ein realer ergonomischer Fortschritt gegenüber dem Wagenpicking, aber kein stationärer Arbeitsplatz.

Bin-to-Person aus dem Bestandsregal

Das dritte Konzept verbindet zwei Eigenschaften, die die ersten beiden je nur einzeln erfüllen: den vollständig stationären Arbeitsplatz und den Erhalt der bestehenden Fachbodenregale. Ein spezialisierter autonomer Kommissionierroboter entnimmt einzelne Behälter direkt aus dem vorhandenen Regalfach und bringt sie zu einer stationären Ware-zur-Person-Station; nach der Kommissionierung stellt er sie zurück. Der Picker bleibt an einer Station, das Regallayout bleibt, wie es ist. Es ist das einzige der drei Konzepte, das echtes stationäres Goods-to-Person, unveränderte Regale und Mischbetrieb ab Tag eins in einem Ansatz kombiniert - dafür ist es das jüngste und erreicht nicht die Lagerdichte eines gangfreien Cube-Storage-Systems.

Vergleich entlang der Kriterien, die im Bestandslager zählen

Die nützliche Frage ist nicht „welches System ist besser", sondern „welches passt zur Ausgangslage". Die folgende Übersicht stellt die spurgebundene Generation und die drei AMR-Konzepte entlang der Kriterien nebeneinander, die im Bestandslager den Ausschlag geben. AGV/FTS ist dabei eine Transporttechnik ohne eigenes Pickkonzept - die Zeilen zur Picker-Rolle greifen dort nicht.

Kriterium AGV / FTS Shelf-to-Person Kollaboratives Picking Bin-to-Person
Navigation Spurgebunden Frei, auf definiertem Grid Frei Frei
Bauliche Infrastruktur Leitspuren verlegen Grid + mobile Spezialregale Keine Nur Station aufstellen
Bestandsregale nutzbar kein Pickkonzept Nein - eigene Regale Ja Ja
Picker stationär kein Pickkonzept Ja Nein - läuft (reduziert) Ja
Mischbetrieb ab Tag 1 - Nur räumlich getrennt Ja Ja
Einführungszeit Monate Mehrere Monate Wenige Wochen Wochen bis wenige Monate
Geschäftsmodell CapEx CapEx / RaaS CapEx / RaaS CapEx / RaaS / Pay-per-Pick

Navigation und Infrastruktur

Die spurgebundene Navigation kauft Zuverlässigkeit mit Starrheit: Solange die Route steht, fährt das System verlässlich, aber jede Änderung ist Bauarbeit. Freie Navigation dreht dieses Verhältnis um - kein Verlegen von Leitspuren, dafür eine höhere Anforderung an Sensorik und Flottensoftware. Für ein Lager, dessen Layout sich mit Sortiment und Mandanten verschiebt, ist die Flexibilität der freien Navigation meist mehr wert als die Robustheit der festen Spur. Klären Sie, wie oft sich Ihr Layout in den nächsten Jahren realistisch ändert - je häufiger, desto klarer fällt die Antwort zugunsten frei navigierender Systeme aus.

Retrofit-Fähigkeit: was mit den vorhandenen Regalen passiert

Diese Frage hat im DACH-Bestandslager die strengste Filterwirkung, und sie wird meist vor allen Kostenmodellen entschieden. Shelf-to-Person setzt den Abbau der vorhandenen Fachbodenregale voraus - während der Versand weiterlaufen muss, ein betrieblich heikler Eingriff. Kollaboratives Picking und Bin-to-Person lassen die Regale unangetastet; der Unterschied zwischen beiden liegt nicht bei den Regalen, sondern beim Zugriff: Im kollaborativen Ansatz greift der Mensch ins Fach, beim Bin-to-Person der Roboter. Wenn die Antwort auf „Können wir unsere Regale abbauen?" ein Nein ist, fällt eine der drei Varianten an dieser Stelle heraus, ohne dass ein weiteres Argument geprüft werden muss.

Einführungszeit und Mischbetrieb

Die AMR-Konzepte, die auf vorhandenen Regalen aufsetzen, gehen typischerweise in wenigen Wochen produktiv - beim Fachbodenregal-Retrofit rechnet man mit 6-8 Wochen bis zum Go-live, davon etwa vier Wochen WMS-Integration. Fest installierte Systeme liegen dagegen bei 12-36 Monaten. Ebenso wichtig wie die reine Dauer ist der Mischbetrieb: Kollaboratives Picking und Bin-to-Person können ab dem ersten Tag parallel zur manuellen Kommissionierung im selben Bereich starten, Shelf-to-Person nicht. Für einen Betrieb, der den Versand nicht anhalten kann, ist das kein Komfortmerkmal, sondern eine harte Anforderung - prüfen Sie sie früh, sie sortiert die Optionen schneller als jede Durchsatzzahl.

Geschäftsmodell: CapEx, RaaS oder Pay-per-Pick

Die Architekturentscheidung ist immer auch eine Finanzentscheidung, und die verfügbaren Modelle unterscheiden sich je Konzept. Der klassische Kauf (CapEx) ist überall möglich, verlangt aber eine Investitionsfreigabe auf Geschäftsführungsebene. Robotics-as-a-Service verlagert das auf eine monatliche Gebühr. Pay-per-Pick - die Abrechnung pro tatsächlich kommissioniertem Pick - ist strukturell an die Bin-to-Person-Logik gebunden, weil sich dort Robotereinsatz und erbrachte Leistung technisch sauber zuordnen lassen. Der praktische Effekt betrifft weniger die Technik als den Genehmigungsweg: Ein Betriebskostenmodell läuft oft über das Operations-Budget statt über eine mehrmonatige CapEx-Freigabe. Warum dieser Unterschied im Mittelstand über Start oder Stillstand entscheidet, vertieft der Beitrag zur Lagerautomatisierung im Mittelstand.

Häufige Verwechslungen und Fehlannahmen

Drei Fehlannahmen tauchen in Vorauswahl-Projekten immer wieder auf, und alle entstehen dort, wo ein Konzept seine eigenen Eigenschaften als Eigenschaften der ganzen Kategorie ausgibt.

Die erste: „AMR ist gleich Goods-to-Person." Nur zwei der drei Konzepte stellen einen wirklich stationären Arbeitsplatz her; das kollaborative Picking hält den Picker mobil, auch wenn es sprachlich unter denselben Begriff gefasst wird. Klären Sie im Erstgespräch konkret, ob der Picker am Ende an einer Station steht oder weiter durch die Gänge geht.

Die zweite: „AMR ist eine Spalte in der Anbieterliste." Tatsächlich sind es drei - mit unterschiedlicher Regal-Frage, Einführungszeit und Bilanzwirkung. Wer sie als eine Kategorie vergleicht, vergleicht Systeme, die nicht in dieselbe Ausgangslage passen.

Die dritte: Durchsatzzahlen aus einer Fremdinstallation gelten für das eigene Lager. Produktivitätswerte hängen an Sortiment, Auftragsstruktur und Stationsdesign; eine beeindruckende Kennzahl aus einem fremden Distributionszentrum sagt wenig über das eigene aus. Fragen Sie nach der Herleitung, nicht nach der Schlagzeile.

Welcher Ansatz für welche Ausgangslage

Vorgelagert ist eine andere Frage: ob sich der Umstieg vom manuellen Picken überhaupt rechnet. Das klärt der Vergleich von robotischer und manueller Kommissionierung - unter etwa 5.000 Picks pro Tag bleibt manuell oft die wirtschaftlichere Antwort. Ist sie beantwortet, ergibt sich die Wahl nicht aus einer Rangliste, sondern aus der Kombination Ihrer nicht verhandelbaren Anforderungen. Ein Greenfield-Neubau mit hohem Volumen pro Arbeitsplatz und Bereitschaft zur baulichen Gestaltung spielt Shelf-to-Person in die Karten. Ein Bestandslager, das in wenigen Wochen Entlastung braucht und den Picker vor allem von Laufwegen befreien will, findet im kollaborativen Picking den geringsten Reibungsweg. Ein Bestandslager mit unveränderbarem Fachbodenregal, dem Anspruch auf einen wirklich stationären Arbeitsplatz und einer Präferenz für ein Betriebskostenmodell landet bei Bin-to-Person - die einzige Variante, die alle drei Bedingungen zugleich erfüllt.

Die Logik dahinter ist eine K.O.-Logik, kein Punktezählen: Eine einzige Anforderung, die eine Variante strukturell nicht erfüllt, schließt sie aus - unabhängig davon, wie gut sie in den übrigen Kriterien abschneidet. Wo die feste Infrastruktur eines Shuttle- oder AKL-Systems gegen die freie AMR-Navigation steht, ordnet der Architekturvergleich AMR oder feste Automation die beiden Welten gegeneinander ein. Notieren Sie vor dem ersten Anbietergespräch, welche Ihrer Anforderungen wirklich hart sind - diese Liste verkürzt die Vorauswahl um Wochen.

Nächster Schritt: die passende Architektur für das eigene Lager eingrenzen

Wer die vollständige Entscheidungslogik mit Anwendungsfall-Matrix und den fünf Vergleichsdimensionen im Detail nachvollziehen möchte, findet sie im herstellerneutralen Whitepaper zum AMR-Tiefenvergleich - inklusive der Kriterien, an denen sich die drei Konzepte am stärksten unterscheiden.

Wenn Sie prüfen wollen, welches der Konzepte zu Ihrem Regaltyp, Ihrer Gangbreite und Ihrem Tagesvolumen passt, klären wir das kostenlos an Ihren realen Gegebenheiten: NEO im Einsatz sehen.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen AGV, FTS und AMR?

FTS (fahrerloses Transportsystem) ist der deutsche Oberbegriff für selbstfahrende Flurförderzeuge, AGV (Automated Guided Vehicle) das englische Pendant - beide bezeichnen die ältere, spurgebundene Generation, die einer verlegten Leitspur folgt. AMR (autonome mobile Roboter) sind die jüngere Generation: Sie navigieren frei über Sensorik, LiDAR und SLAM und brauchen keine bauliche Leitinfrastruktur. Die Abgrenzung im Detail erklärt der Glossareintrag.

Welche fahrerlosen Transportsysteme eignen sich für ein bestehendes Lager?

Frei navigierende AMR, weil sie ohne Umbau in den vorhandenen Regalgängen fahren; spurgebundene AGV/FTS setzen dagegen eine verlegte Leitinfrastruktur voraus. Innerhalb der AMR-Welt nutzen kollaboratives In-Aisle-Picking und Bin-to-Person die bestehenden Fachbodenregale unverändert weiter, während Shelf-to-Person eigene mobile Spezialregale verlangt und damit eher zum Neubau als zum Bestand passt.

Wie lange dauert die Einführung eines AMR-Systems?

Bei den Konzepten, die auf vorhandenen Regalen aufsetzen, sind 6-8 Wochen bis zum Go-live realistisch, davon rund vier Wochen für die WMS-Integration. Fest installierte Systeme wie AKL oder Shuttle liegen bei 12-36 Monaten. Der laufende Betrieb muss dafür nicht stillstehen: Bei kollaborativem Picking und Bin-to-Person läuft die manuelle Kommissionierung während der Einführung im selben Bereich weiter.

Was kostet ein fahrerloses Transportsystem?

Das hängt weniger an der Technik als am Geschäftsmodell - Kauf, Leasing, Robotics-as-a-Service oder Pay-per-Pick führen zu sehr unterschiedlichen Kostenprofilen. Die einzige belastbare Vergleichsgröße über die Modelle hinweg sind die vollständigen Kosten pro Pick, heute manuell gegen morgen automatisiert. Wie sich ein Lager gegen diese Kennzahl prüfen lässt, klärt ein kostenloser Fit-Check in einem Termin.

<!-- BRIEF (Phase 1) - abgearbeitet durch Writer-Agent (Phase 2). Ziel-Wortzahl: ~1.800 Wörter. Primary KW bewusst als Long-Tail "fahrerlose transportsysteme vergleich" gewählt, NICHT als Bare-Head-Term "Fahrerlose Transportsysteme" - der gehört laut Owner-Map dem (geplanten) Glossar /glossary/fahrerlose-transportsysteme. Solange dieses Glossar fehlt, verlinkt der FTS-Begriff im Body auf /glossary/amr (deckt AGV/FTS-Abgrenzung heute ab). Brand-Neutralitaet: KEINE Anbieternamen im Blog-Text - generische Begriffe verwendet. (Whitepaper-Quellen nennen Marken; im Blog neutralisiert.)

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